Das Schloss Freystein (Dvorec Frajštajn) – Slowenien
Das Schloss Freystein (Dvorec Frajštajn) steht im Dorf Sele bei Spodnja Polskava, im Nordosten Sloweniens. Es handelt sich um eine der hochwertigsten vollständig erhaltenen Renaissance Architekturen des Landes. Frajštajn ist das Werk eines italienischen Meisters, welches im 16. Jahrhundert errichtet wurde und als bemerkenswertes Beispiel für historische Architektur in Slowenien gilt.
Das ursprüngliche Gebäude an diesem Standort wird bereits im Jahre 1376 erwähnt. Als dessen Eigentümer werden die Grafen von Celjski genannt. Doch diese Zuordnung ist nicht eindeutig gesichert. Ein zuverlässigerer Nachweis über die Frühgeschichte des Standortes stammt aus dem Jahr 1493, als Hans Klöch aus Gromperk dort ein herrschaftliches Anwesen errichten ließ. Vor dem Jahre 1511 heiratete Sigmund Rosenberg dessen Tochter Polona. Von ihm trug das Gut dann auch den Namen „Rosenbergerhof“. Das Adelsgeschlecht von Rosenberg besaß im 15. Jahrhundert einen Großteil der Ländereien in Böhmen. Es starb 1611 mit dem Tode von Peter Wok von Rosenberg aus.
Im Jahre 1532 unternahm Sultan Süleyman I. (genannt Der Prächtige) seinen zweiten Feldzug gegen Wien, der aber bereits bei der habsburgischen Grenzfestung Kőszeg (Güns) im äußersten Westen Ungarns scheiterte. Die Burg widerstand 25 Tage lang den Angriffen der osmanischen Streitmacht, bis ein Entsatzheer von über 100.000 Mann unter Kaiser Karl V. die Angreifer endgültig zum Rückzug zwang. Dabei wurden jedoch weite Teile der Steiermark und Niederösterreichs von den abrückenden Osmanen verwüstet. Auch der Rosenberghof wurde niedergebrannt.
Um das Jahr 1559 begründete der Adlige Janez Regall seine Herrschaft in dieser Gegend. Er besaß bereits die nahegelegenen Herrschaften Rače und Zgornja Polskava und kaufte weitere Höfe hinzu. Anstelle des abgebrannten Rosenberghofes ließ er um das Jahr 1570 das Schloss Frajštajn (dt. Freistein, „freier Stein/Burg“) errichten. Die Regals hatten auch einen Anteil an der Herrschaft Gromperk und verlegten die Zentrale ihrer Besitzungen nach Freištejn.
Im Jahr 1603 kaufte Georg von Stubenberg das Schloss, welches nur vier Jahre später an das Adelsgeschlecht Dietrichstein weiterveräußert wurde. Erasmus von Dietrichstein (ab 1612 Freiherr) kaufte weitere Güter aus dem Besitz derer von Stubenberg zur Herrschaft hinzu.
Im Jahr 1635, während des sogenannten zweiten Slowenischen Bauernaufstandes, plünderten und brannten die aufständischen Bauern den Herrenhof nieder.
1640 wird Graf Sigmund Ludwig von Dietrichstein als Freisteiner Eigentümer ausgewiesen, der auch Besitzer der nahegelegenen Herrschaften Gromperk und Zgornja Polskava war. Nachdem 1671 das Erbe unter den Brüdern von Dietrichstein aufgeteilt worden war, wurde Frejštajn schließlich von seinem Sohn Sigmund Helfrid übernommen, der jedoch die Herrschaft schon im Jahr 1679 verkaufte.
Im Namen des Klosters Studenice kaufte es die Priorin Marija Pečaher (Petschacher) für eine Summe von 24.000 Gulden. Das in Vischers Grafik aus dieser Zeit dargestellte Herrenhaus ist bis heute nahezu unversehrt erhalten geblieben. Die befestigten Bestandteile mit Türmen, Mauern und Wirtschaftsgebäuden, die auf der Grafik teilweise in die Mauer integriert sind, existieren jedoch größtenteils nicht mehr.
Die Dominikanerinnen von Studenice waren bis zum Jahr 1782 die Eigentümerinnen. Als das Studeničer Kloster durch die Reformen von Kaiser Joseph II. aufgehoben wurde, ging der Besitz mit dem Herrenhaus Freystein in das Eigentum des Steirischen Religionsfonds über.
Im Jahr 1828 kaufte Graf Klemens Brandis (1798–1863) die Herrschaft vom Religionsfonds und verwaltete außerdem die Herrschaft Gromperška und das Gut Bukovče im Herrenhaus. Nach Klemens übernahm sein Sohn Anton Adrijan (1832–1907) den Besitz, welcher die Herrschaft im Jahr 1904 an den Grafen Sigmund Batthyány verkaufte.
Zwischen den beiden Weltkriegen gehörte das Herrenhaus Miroslav Ausch (auch Auš), einem Geschäftsmann, Verwalter und Miteigentümer der Holz- und Kartonfabrik in Ceršak bei Maribor. Während des Zweiten Weltkriegs zog er sich mit seiner Frau Gizela nach Zagreb zurück, während die deutschen Besatzer seine Fabrik und sein Anwesen beschlagnahmten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen mit folgenden Zubehör angegeben: 205 Hektar Land, davon 62 Hektar Felder und Wiesen und 142 Hektar Wald, mit Nebengebäuden und einem Sägewerk. Das Herrenhaus wurde verstaatlicht und später dem Landwirtschaftskombinat Ptuj (Kmetijski kombinat Ptuj) zugewiesen, das dort Wohnraum für sozial Benachteiligte bereitstellte.
Vor dem Schloss stand bis vor etwa 40 Jahren noch ein Brunnen, in welchen die Jahreszahl 1643 eingraviert war. Hierbei handelte es sich vermutlich um das Jahr einer Instandsetzung, denn während des zweiten Slowenischen Bauernaufstandes war das Schloss 1635 geplündert und zerstört worden.
Das Gebäude wird derzeit renoviert und soll nach der Fertigstellung als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Quellen
Webseite:
https://plemiska-dediscina.zrc-sazu.si/gradovi/frajstajn/
Plemiška dediščina na Slovenskem – Adeliges Erbe in Slowenien
Das Projekt wird unterstützt von:
ARIS – Javna agencija za znanstvenoraziskovalno in inovacijsko dejavnost Republike Slovenije
Öffentliche Agentur für wissenschaftliche Forschung und Innovation der Republik Slowenien
ZRC SAZU – Wissenschafts und Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste
Universität Maribor
Die Abbildung des Schlosses Freyenstein stammt aus der „Topographia Ducatus Stiriae“ des Georg Matthäus Vischer (1628–1696), auch bekannt als steirisches Schlösserbuch. Dieseserschien im Jahre 1681.