Freienstein

Ortsteil von Blankensee

Ist heute ein Ortsteil von Blankensee, einer Gemeinde des Amtes Löcknitz-Penkun im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Dieser liegt direkt an der Grenze zu Polen, etwa 45 km nordwestlich von Stettin (Szczecin). Dort existiert noch die nicht sanierte Gutsanlage Freienstein mit Gutshaus, Stallscheune, Stall und Nebengebäuden.

Das Gutshaus Freienstein wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet und zur Mitte des 19. Jahrhunderts erweitert. Nach der Auflistung im königlich-preußischen Güteradressbuch des Jahres 1911 umfasste das Gut Freienstein 377 Hektar Wiesen- und Ackerland. Es lag damals im pommerschen Kreis Randow, der sich nach dem Fluss Randow benannte.
Neben einem ansehnlichen Viehbestand verfügte man dort auch über eine Herstellung von Presshefe, eine Likör- und Spritfabrik mit Destillation sowie eine Mahl- und Schneidemühle. Als Eigentümerin ist eine verwitwete Frau namens Amanda Schwarzwäller eingetragen.

Der „Kibbuz Freienstein“ entstand dort in den 1930er Jahren, als der Berliner Bankier Dr. Günther Jaffé nach dem Konkurs der Privatbank Jaffé mit seiner Familie von Berlin nach Freienstein zog. Günther Jaffé kaufte das Gut Freienstein im Jahre 1932.
1937 erfolgte die Eröffnung einer Hachschara-Ausbildungsstätte mit 27 Plätzen. Als Hachschara wurde die landwirtschaftliche Ausbildung und Vorbereitung auf eine Auswanderung nach Palästina bezeichnet. Dort wurden dann die als Kibbuz bezeichneten landwirtschaftlichen Güter errichtet. In diesen Kibbuz arbeiteten die überwiegend jungen Auswanderer in einer genossenschaftlichen Siedlung gleichberechtigter Mitglieder, in der es kein Privateigentum geben und das tägliche Leben kollektiv organisiert werden sollte. Das große Ziel war der Aufbau eines jüdischen Staates, der nach diesen Grundsätzen entstehen sollte.
Im Jahre 1938, nach dem Novemberpogrom, wurden Jaffé und 17 weitere Männer verhaftet und im KZ Sachsenhausen interniert. Nach seiner Entlassung gelang Jaffé die Flucht nach Venezuela. Das Landgut Freienstein wurde anschließend von deutschen Betreibern übernommen.

Quellen:

Wikipedia: Freienstein (Blankensee)

Liste der Baudenkmale in Blankensee (Vorpommern)

Webseite: Alle Burgen, Gutshaus Freienstein – in Blankensee

Güteradressbuch für die Provinz Pommern 1911

Webseite: Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg Vorpommern

Webseite: www.pommerscher-greif.de, Pommerscher Greif e.V., Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte. Artikel: Der Traum vom Kibbutz – Die Familie Lewin aus Schivelbein (vom 24. April 2024). 

Webseite: www.freienstein-pommern.de : Kibbuz, Günter Timendorfer

Webseite: www.spurenimvest.de : Wolff Fritz, Pantiel Meta

Hachschara und Jugend-Alija, Pilarczyk, Ulrike/Ashkenazi, Ofer/Homann, Arne (Hg.)

Wege jüdischer Jugend nach Palästina 1918-1941, Steinhorster Beiträge zur Geschichte von Schule, Kindheit und Jugend, Herausgeber: Schulmuseum Steinhorst, Band 1, 2019.