Johann Philipp Altarist zu Frienstein
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Darüber, dass es eine Kapelle zu Freienstein gab, haben wir im Buch zu Burg Freienstein im Kapitel über das Freiensteiner Messbuch in der Nicolaus Matz Bibliothek zu Michelstadt bereits einige Informationen erhalten. Unter anderem sind dort die beiden Geistlichen erwähnt, die bislang für diese Kapelle nachgewiesen sind.
Gustav Simon schrieb in seiner „Geschichte der Dynasten und Grafen von Erbach und ihres Landes“ im Jahre 1858:
„Es war hier auch eine Schloßkapelle, welche einen eignen Kaplan hatte, der von den Schenken der Erbacher Linie, welche im Mittelalter die alleinigen Besitzer des Schloßes waren, präsentiert wurde. Quelle: Schenk Eberhards Lehnssalbuch, fol. 1, 2. – Im Beerfelder Weisthume von 1457 bei Mone a. a. O. kommt Johannes Blüm als Cappelan zu Freyenstein vor.“
Daniel Schneider schrieb 1736 in seiner „Historie und Stammtafel des Hochgräflichen Hauses Erbach“, in Bezug auf die Kapelle auf Freienstein:
„Nach Anno 1521 hat Schenck Eberhart den Johannis Sartoris zur Bedienung des Altars St. Nicolai in Freienstein pesentiret, daß der Zeit dasige Capelle noch in gutem Stande gewesen sein muss.“ Diesem Johannis Sartoris (Johannes Schneider) hatte besagter Schenk Eberhard das oben genannte Messbuch zu seinem Amtsantritt 1521 mitgegeben.
Johannes Blüm 1457 und Johannes Schneider 1521
Die Beiden sind somit die bislang nachgewiesenen Geistlichen der Kapelle auf der Burg Freienstein. Ihnen kann nun noch der folgende Amtsinhaber beigestellt werden.
Mittheilungen über die Kirchenbibliothek zu Beerfelden - von Dr. W. Listim Centralblatt für Bibliothekswesen
Von Dr. O. Hartwig - Oberbibliothekar in Halle
Leipzig, Otto Harrassowitz, 1886, Seiten 217 – 221
So lautet die Bezeichnung für den Aufsatz, der in einer eher unbedeutenden Aufzählung die für uns wesentlichen Daten enthält.
Dr. W. List beschreibt hier eine historische Schenkungsurkunde des Jahres 1483, nach derer die Gebrüder Leonhard und Andreas Pfot, beide Pfarrer zu Beerfelden, eine Anzahl von dort aufgelisteten Büchern an die Beerfelder Kirchenbibliothek gaben. Dass diese Bibliothek dem großen Stadtbrand von 1810 zum Opfer fiel, ist einer der vielen Verluste, die dieses Feuer mit sich brachte. Nun blieb aber die genannte Urkunde erhalten und enthält unter anderem den folgenden Text:
„Anno domini 1483 uff Sontag Jnuentionis sancti Stephani Han ich Andreas Pfott, licensiatusJn der heiligen Schrift, (zu der Zyt Pfarrer zu Buwerfelden1)) zu Bysin der Ersamen Herrn petermann von Eberbach, zu der zit Pferrer in Buwerfelden, her Jost gelssen, Capellan zu Erbach, Johann philippi, Altarist zu Frienstein, Schimpff hansen, Schulteissen zu disser zit des obgenannten Dorffs, Cuntz conrat vnd peter schimpff, zentscheffen, mit andern erbern luten daby gewesen, geben vnd gesetzt der Pfarrkirchen zu Buwerfelden, mynes lieben Bruder seligen, diss nachgeschrieben bucher, die Jch von ym ererbt hatt, die dan alle Jahre, so man rent vnd gult, so die kirch in dem megenannten dorff zu Buwerfelden fallen hat, rechen, ist yn sunderheit von dem pferrer, den heiligen knechten vnd andern, die darzu gegeben vnd geordent werden, von der herrschafft zu Erbach besehen vnd beschauwet werden sollen, das solich bucher nit schaden oder von der obgenannten Pfarrkirchen komen, vnd sint diss die bucher hienach geschrieben.“ Dann folgt die Aufzählung der Werke.
1) Das von mir in Klammern Gesetzte ist in der Handschrift durchgestrichen, dies auch mit Recht, denn Andreas Pfot war schon längst nicht mehr Pfarrer in Beerfelden, sondern spätestens seit dem Jahre 1479 in Heidelberg und in dem genannten Jahre 1483 war er zum zweiten Male Rector der Universität. Siehe Hautz I, 262 ff.
Johann philippi, Altarist zu Frienstein war somit im Jahre 1483 Zeuge für die vorgenannte Bücherschenkung und ist damit auch als Geistlicher auf Freienstein nachgewiesen. Mit der Jahreszahl 1483 reiht er sich zwischen Johannes Blüm 1457 und Johannes Schneider 1521 ein.
Michael Schmitt